Gedanken: Warum niemand über Misserfolge redet, das aber wichtig ist

Neulich erst habe ich euch über ein Projekt erzählt, aus dem leider nichts geworden ist. Für mich sind daraus Erfahrungswerte entstanden. Hinfallen, Aufstehen. Krone richten. Weitergehen. Ich werde nichts glorifizieren: Misserfolge sind frustrierend, die Art und Weise wie manche Kritik formuliert ist, kann einen wütend machen und Vergleiche mit anderen Künstlern sorgen meistens für noch mehr Frustration. Es gibt viel an dem man sich aufreiben kann. Aber das Hauptproblem sehe ich darin, dass nicht darüber gesprochen wird. Es gibt in der Welt der Kunst-Blogger da draußen scheinbar nur zwei Herangehensweisen. a) Gar nicht darüber sprechen und b) den Frust ungefiltert rauslassen. Ich plädiere für das Mittelding!

Misserfolge gehören zum Leben – aus ihnen zieht man Erfahrungen und es ist auch generell nicht verkehrt den Umgang mit Misserfolgen zu lernen. Schließlich lauern die überall im Leben. In den Kleinen und manchmal in den großen lebensverändernden Umständen. Wofür ich hier plädiere ist also nicht zwingend nur an Kreative gerichtet, sondern an alle. Embrace the failure. Eins meiner liebsten Mottos ist von Samuel Beckett – es hängt in meiner Wohnung und an meinem Schreibtisch auf Arbeit.

Ever tried.
Ever failed.
No matter.
Try again.
Fail again.
Fail better.

(Samuel Beckett)

Misserfolge sorgen dafür, dass wir es nächstes Mal vielleicht richtig machen. Ohne Misserfolge gibt es keine Verbesserung, keine Erfahrung. Man muss sie nicht provozieren – aber man muss mit ihnen umgehen lernen. Deswegen halte ich es für wichtig auch die Misserfolge zu teilen. Im Kunst-Bereich tun das wenige. Allerdings muss auch ich zugeben, dass es schwer ist. Wenn man einigermaßen viel Herzblut und Emotion in seine Kunst steckt, dann ist das auch einfach sau schwierig und Frustration lauert überall. Für mich ist immer das schlimmste mich mit anderen zu vergleichen. Gerade durch die Instagram-Accounts und soziale Medien wird oft ein Heile-Welt-Gefühl vermittelt. Geile Aufträge, nur Zustimmung, keine Kritik – so ist aber nicht die Welt. Das ist die soziale-Netze-Blase. Auch andere haben Misserfolge und bekommen Kritik. Das sehen wir nur vielleicht nicht, weil das nicht der Top-Kommentar ist oder einfach nicht drüber geredet wird. Vergleichen ist daher das vielleicht größte Übel. Wenn man gut damit umgehen kann, kann es eine Chance sein, wenn man sich beispielsweise auf die Technik anderer konzentriert. Wer aber auf Faktoren wie Erfolg oder Zufriedenheit schaut, wird durch social media und die gefilterte www-Blase wenig messbares finden und sich in Irrtümer verwickeln.

Jeder macht seine Erfahrungen, jeder hat Erfolge und Misserfolge. Es geht darum sein Ding zu machen, egal ob langsam, egal ob mit wenig oder viel Beachtung. Mach einfach weiter. Nur wer aufhört, hat verloren. Keri Smith hat dafür ein Meme geschaffen, dass eine Zeit lang im Internet viel rumging und mir aus der Seele spricht. Es zeigt all die falschen Annahmen auf, an denen man sich als Künstler festbeißt und die einen frustrieren, aber bei näherer Betrachtung nur heiße Luft sind. Ich kann es jedem ans Herz legen: HOW TO FEEL MISERABLE AS AN ARTIST. Nicht nur den Künstlern übrigens.

Header image photo credit: Dewang Gupta

Wie geht ihr mit Misserfolgen um? Hattet ihr als Künstler oder im Beruf schon große Misserfolge, die euch sehr geprägt haben? Sprecht ihr darüber?