Zeichnung: „Zeichnen für andere“ und wie man sich rantastet

In den vergangenen Wochen habe ich ja ein paar Mal über Auftragsarbeiten geschrieben. Über welche die erfolgreich waren (zum Beispiel das und das), über welche die aus ganz ungeahnten Gründen nichts geworden sind (aber trotzdem Spaß gemacht haben). Jetzt kommt wohl der Moment, wo ich mal über die Fälle reden muss, aus denen nichts geworden ist. Leider handelt es sich dabei um das aktuelle Projekt, von dem ich auch vor Kurzem berichtet habe. Meine Entwürfe und die Vorstellungen der Auftraggeber haben nicht zusammengepasst. Das ist sehr schade, aber das passiert eben. Auch wenn das keine erfolgreiche Fallstudie ist, möchte ich trotzdem mal darüber sprechen wie ich versuche mich an das ranzutasten, was gewünscht wird.

Am Anfang war das Gespräch

Meine „Auftraggeber“ waren zwei nebenberufliche Fotografen, die u.a. Hochzeits- und Reise-Fotografie machen. Sie suchten für ihren Blog ein allgemeines Blog-Logo und für die drei Kernthemen ihrer Arbeit jeweils ein „Themen“-Logo für entsprechende Seiten im Blog. Das klang erstmal sehr greifbar und ich hatte sofort Ideen, was man tun könnte. Wir haben uns kurz zusammengesetzt und ihren Blog und die Richtung in die es gehen soll besprochen. Über die Form oder den Stil konnten sie mir keine Aussage machen, haben mir aber einige Referenzen und Bilder geschickt wie es werden soll. Meine Haupteindrücke waren, dass es Vintage-angehaucht sein soll und dass Naturmotive gern gesehen sind. Zuhause wurden dann nochmal der Blog der Blog-Kollegen angeschaut und dann machte ich einige Skizzen.

Der Plan wäre diese Skizzen dann mit Fineliner oder Vektorgrafik (oder Fineliner und dann in Vektor konvertieren 🙂 ) das Ganze zu finalisieren. Eine erste wichtige Erkenntnis war: die Präsentation. Meine Auftraggeber nahmen die Skizzen nicht als Skizzen wahr und gaben mir mit auf den Weg, dass alles insgesamt weniger fein, weniger komplex und weniger „3D“ sein soll. Es würden Umrisse der Tannen, Berge etc ausreichen und insgesamt weniger Striche. Da habe ich durch die Referenzbilder, die ich geschickt bekam und die sehr Vintage aussahen also einen falschen Eindruck gewonnen. Die Logos sollten viel einfacher sein. In meinem Kopf waren sie das auch – nur dass ich sie eben als Skizzen/Zwischenschritt präsentiert habe. Normalerweise hätte ich sie mit Fineliner nachgezeichnet und sie wären dann auch weniger komplex gewesen.

Zweiter Versuch: Variationen und „fertigere“ Logos anbieten

Aus den Fehlern der Vergangenheit wollte ich lernen und haben kleine Logos angefertigt, die zwar noch nicht final sind, aber zumindest nicht mehr nach Skizze aussehen. Zwischendurch hatte ich von den Auftraggebern wieder Referenzbilder bekommen, die deutlich mehr in die Richtung Tattoo-Art gingen. Aber das Naturthema und mein Laternen-Entwurf sollten weiterhin die Motive bleiben. Also habe ich versucht mich dem anzunähern.

Während die Laterne gut gefiel und auch genommen worden wäre, schienen die anderen Motive nicht den Geschmack zu treffen. Warum das so ist, fällt mir schwer zu erahnen und die Auftraggeber konnten es auch nicht so ganz formulieren. Wenn etwas nicht gefällt und ich Geschmack oder Vorgaben nicht treffe, ist das nicht unbedingt schlimm. Sobald man mir aber nicht sagen kann, was ich falsch mache, beginnt es etwas frustrierend zu werden. Bei mir entstand der Eindruck, dass es nicht mein Stil und nicht meine Ideen sind, die gewollt sind, als ich wieder Instagram-Accounts von anderen Künstlern als Referenz geschickt bekam. Andere abzuzeichnen ist aber nicht fair und nicht dienlich, da waren wir uns einig und die Auftraggeber versicherten mir, dass sie das auch nicht wollen. Das ist fair und finde ich.

Schießen auf bewegliche Ziele

Also auf ein Neues. Man sieht dem Stil-Mix der Logos bereits an, dass ich inzwischen blind in verschiedene Richtungen losrannte. Der Grund warum immer wieder soviele Tannen dabei sind, ist, weil die Auftraggeber mir sehr viele Referenzbilder mit Tannen schickten. Das was meinen Stil und meine Ideen am meisten widerspiegelt ist wohl der Fuchs und die Tannen im Nebel. Alles andere ist irgendwie nicht „Ich“. In meinem Hinterkopf keimte der Gedanke, dass ich vielleicht nicht wegen meines Zeichenstils ausgewählt worden war. Gleichzeitig war ich irre stolz auf den Fuchs, weil ich den für eines der gelungensten Entwürfchen hielt, aber schon befürchtete, dass es nicht mit dem Geschmack der Auftraggeber zu vereinen war. Als ich ihnen die neusten Entwürfe schickte, bat ich darum sich mit mir nochmal zusammenzusetzen und mich live-zeichnen zu lassen, damit ich ihre Reaktionen mitbekomme und direktes Feedback erhalte oder … das wir es bleiben lassen. Warum ich das angestoßen habe? Es ist nicht so, dass ich aufgeben wollte. Aber ich habe so entschieden, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass wir uns dem Ziel nähern und es mir wie Schießen auf bewegliche Ziele vorkam.

Zu den Logos habe ich kein Feedback bekommen, aber die Auftraggeber haben mir zugestimmt, dass wir es bleiben lassen. Sie gaben an, dass es nicht an mir liegt, aber ein bisschen traurig bin ich schon.

Herrenlose Logos und ein Teil-Happy-End

Im Laufe des Prozesses sind 30 Logos entstanden. Einige davon kann ich hier nicht zeigen, weil sie die Namen der Auftraggeber beinhalten. Nun habe ich hier diese 30 herrenlosen Logos rumliegen. Spaß gemacht hat es trotzdem und zumindest für den Fuchs habe ich ein Zuhause gefunden: ich erkläre ihn zu meinem neuen Blog-Logo, das in den nächsten Wochen eingearbeitet werden wird. 🙂

Noch eine kleine Erklärung kurz vor dem Ende meines Berichts: der Artikel ist nicht als Schimpfen auf Auftraggeber gedacht (die Beiden hier sind außerdem zwei sehr liebe Leutchen), sondern als Bericht über die Herangehensweise in der Hoffnung, dass andere Hobby-Zeichner (und auch ich in Zukunft!?) daraus Erfahrungen schöpfen und Rückschlüsse ziehen können. Denn gerade bei kreativen Leistungen ist das was gewünscht ist manchmal unendlich schwer greifbar.

Hattet ihr schon Mal ähnliche Erlebnisse? Und wie geht ihr mit solchen Misserfolgen um? Einer der Gründe, warum ich das nicht hauptberuflich mache, ist dass ich immer sehr viel Herzblut in meine Arbeiten stecke und viele Emotionen mit ihnen verbinde. Früher habe ich Ablehnung meiner Werke daher immer mit Ablehnung meiner Person gleichgesetzt, was denke ich einfach falsch ist. Da bin ich schon besser geworden, aber es ist nicht einfach. Ich denke aber die „Anamnese“ und das sich rantasten ist nicht verkehrt, auch das Anbieten verschiedener Variationen. Nach dem Erlebnis stehe ich dem Schicken von Referenz-Bildern aber sehr zwiespältig gegenüber.

WIP Dekanter mit Weinlaub-Muster

Bereits in den letzten beiden Woche ging es hier ein bisschen um das ‚Zeichnen für Andere‘ bzw. Aufträge, wenn man so will. Obwohl der Begriff ‚Auftrag‘ etwas hochtrabend klingt. Die Leute, die einem nahe stehen, fragen ja eher mal, ob man etwas für sie zeichnet. Insbesondere, wenn einen schlichtweg keiner sonst kennt 😉 Und so fragte mich 2012 auch eine Studien-Freundin für ein wie ich finde etwas außergewöhnlicheres Vorhaben.

Vor einer gefühlten Ewigkeit hat mich eine Freundin darauf angesprochen, ob ich ihr einen Dekanter bemalen würde. Der Gedanke dabei ist der folgende: besagte Freundin von mir hat das Know-How und das nötige Werkzeug um sich Gefäße zu gravieren. Normalerweise zeichnet sie sich die Bilder vor. Dazu nimmt sie eine passende Vorlage und klebt sie in das Gefäß, um anschließend das Wunschmotiv auf der Seite nachzuziehen auf der später graviert wird. Das damals aktuellste Objekt der Begierde war ein Dekanter und durch den schmalen Hals kann man schlecht eine Vorlage einkleben. Also musste jemand her der eine Weinranke frei Hand zeichnen kann … ich helfe gern. 🙂

Danach hat sich die Auftraggeberin ran gemacht und mir freundlicherweise ein paar Bilder vom Schaffensprozess und Ergebnis zukommen lassen.

Header image photo credit: Amaury Salas

Ich habe sowas noch nie gemacht und fand das sehr lustig. Auf das Ergebnis war ich sehr gespannt und dank Tinte sieht man gleich noch mehr. 🙂 Gerne wieder. Aber fragt mich nicht wie es mit dem Gravieren läuft – davon habe ich leider keine Ahnung. Interessant ist aber für wieviele Ideen das Tür und Tor öffnet.

WIP: Der raue Berg

Da ich ja nun letzte Woche groß angekündigt habe, dass ich wieder da bin, sollte ich wohl auch mit dem Bild starten, dass meine „Rückkehr zum Zeichnen“ darstellte? Irgendwas habe ich meistens gezeichnet, aber vielleicht nicht so stringent wie ich mir das gewünscht hätte. Aber Herbst 2016 habe ich angefangen wieder sehr regelmäßig zu zeichnen – vielleicht markiert das Datum ja doch den Beginn? Ich kann mich da gar nicht festlegen. 🙂 Irgendwie hat mich plötzlich die irrsinnige Lust gepackt Naturgewalten aufs Papier zu bringen.

WIP: Fels in Papier gehauen

Natürlich kann man Fels viel krasser darstellen oder auch viel realistischer. Aber ich mag irgendwie solche leichten, gleichmäßigen Texturen. Textur hat mich immer irgendwie mehr ‚abgeholt‘ als das lange Wischen und Abstufen von Grauschattierungen. Dieser raue Charme von Textur hat irgendwie was. Und wenn ich mich umschaue, zerteile ich meine Umgebung viel öfter in ihre krassen Texturen als zarte Übergänge. Deswegen wollte ich auch das Bild bzw. den Vulkan in so eine Textur zerlegen.

Allerdings ist es nicht nur meinem Kopf entsprungen. Das Foto eines Vulkans stand Pate, was ich etwas abgeändert habe. Über die Fugen des Vulkans kann man sich streiten, aber die Wolken sehen schließlich (bewusst) nicht sehr realistisch aus 😉 Leider habe ich das Foto gerade nicht zur Hand. Das soll mir aber mal als Experiment dienen, ob man mit der Zeichnung vielleicht sogar das Original in der Google-Bildersuche findet. Ergebnis: nein. Aber interessant: Google erkennt das Bild als Zeichnung und Lineart und bietet mir irre viel Bilder von random Zeichnungen an. Hm.

Ein „rauer Berg“

Und hier das fertige Bild …

Da ist sie wieder … die Frage, die so alt ist wie Kunstblogs: Wasserzeichen ja oder nein?

Neben der Erkenntnis, dass ich noch daran feilen muss nachts WIP-Fotos von Zeichnungen zu machen, ergreift mich doch wieder ein bisschen die Angst Wasserzeichen setzen zu müssen. Der Grund dafür ist, dass Bilder so schnell auf tumblr oder in irgendwelchen Netzen geteilt oder auf anderen Webseiten hochgeladen werden können, dass das Urheberrecht im Internet manchmal nur ein schaler, leerer Begriff bleibt.

Viele Leute pfeifen total darauf und das kann einen ziemlich verärgern. Deswegen setzen viele irgendwie mehr oder weniger deutlich ein Wasserzeichen. D.h. einen Link oder ein Logo, dass das Bild unkenntlich macht, eingeschränkt sichtbar oder auch einfach nur auf den Urheber hinweist. Auch meine Bilder wurden schon plagiiert (sogar bei einem Wettbewerb eingereicht) und von irgendwem gezogen und wo anders hochgeladen. Sowas macht mich entweder extrem traurig oder sehr wütend. Aber wenn ich dann mehr oder weniger gut sichtbare Wasserzeichen setze, frage ich mich immer: ist das nicht eh nutzlos? Mit guten Bildbearbeitungs-Kenntnissen kriegt man das eh alles weg, wenn man sich viel Mühe gibt. Und am Ende stören die Wasserzeichen nur die Besucher der Webseite. Deshalb seid ihr Leser gefragt …

Was ist eure Meinung zu Wasserzeichen? Nervt es euch? Haltet ihr es für überflüssig? Oder stört es euch nicht? Was sind eure Lieblingstechniken?

Header image photo credit: Amaury Salas