Techniken: Wie baut man sich eine Copic-Sammlung auf?

Die Idee zu dem Beitrag bekam ich eigentlich durch eine Suchanfrage, durch die scheinbar jemand da draußen in den Untiefen des www hierher gefunden hat. Aber wahrscheinlich keine Antwort bekam, denn ich kann mich nicht erinnern darüber schon mal geschrieben zu haben. Dabei hat mich das Thema auch sehr beschäftigt als ich angefangen habe mit Copics zu illustrieren. Heute muss ich sagen: ich bin es falsch angegangen. Es lohnt sich also doppelt endlich darüber zu schreiben 😉 Das was in dem Beitrag steht, orientiert sich zwar an Copics, genauer Copic ciao, kann aber auf alle möglichen Marker und Brush Pens angewendet werden – mit Abstrichen sogar auf das Aufbauen von Farbsammlungen jeglicher Hinsicht. #GeschichtenVonDenAnfängen

Mäßig cool: der Grundfarben-Ansatz

In meinem zarten Teenager-Alter kam mir die Idee mir Copics zu bestellen und anzufangen mit ihnen zu illustrieren. Vorher waren Buntstifte mein Werkzeug. Da Copic ciao günstiger waren, habe ich mit denen angefangen. Heute ist der Markt vielfältiger, man hat viel mehr Auswahl als teure Copics zu nehmen. Damals gab es aber eigentlich nur die und nichts anderes. Etwas naiv dachte ich „Naja, da nimmst du halt möglichst reine Grundfarben, dann kannst du alles mischen. Das soll ja mit Copics funktionieren.“ Da damals ein Copic ciao so um die 5-8€ gekostet hat, musste ich darauf sparen Okay, ganz naiv war ich vielleicht nicht – ich habe daran gedacht, dass ich Hautfarbe wohl mit den Grundfarben kaum mischen kann und gleich kaufen sollte. Ich wusste auch, dass ich Braun viel für Haare, Tiere, Gebäude etc brauchen würde und Grau zum Schattieren. Das war wohl das schlauste an meinem Vorgehen 😉

Warum sind die Grundfarben ein Problem? Weil sie zu gesättigt und zu dunkel sind. Man kann mit ihnen nur mit großem Materialaufwand mischen. Beim Mischen von Orange habe ich mir beispielsweise den gelben Copic fast sofort ruiniert. Andere Farben sind so selten im Gebrauch, dass ich meinen ersten Copic heute noch habe – im Falle des Grüns beispielsweise. Das Blau, das ich damals verwendet habe war eher „Lapislazuli“ und ich habe es nicht wieder nachgekauft, nachdem ich es aufgebraucht habe, weil ich es zu wenig in Verwendung hatte. Das Blau im Bild ist nur ein „Platzhalter“. Heute würde ich mal abgesehen von dem „mitteleuropäisch-weißen Hautfarbton“ (aka „E51 Milky White“ in Copic-Sprache), dem Grau, dem Braun und dem Schwarz alles anders machen.

Besser: einen Tick heller

Geht man einen Tick heller, hat man es mit dem Mischen der Farben viel leichter wie ich versucht habe in dem Bild zu demonstrieren, indem ich ein paar Übergänge illustriert habe. Dunkler mischen geht halt immer, heller mischen weniger. 😉 Dann kommt es natürlich auch immer noch darauf an, was man eigentlich vorrangig zeichnet. Wenn meine Motive alle Unter Wasser spielen würden, hätte ich wohl eine breitere Palette an Blautönen. Nur als ein Beispiel. Tatsächlich sind Pastelltöne bzw. solche Mitteltöne wie das Orange in den Bild die Sorte Copics gewesen, die ich mir als nächstes geleistet habe. (Ich stelle gerade fest, dass ich vergessen habe das Blau und Lila ins Bild zu nehmen … falls es euch interessiert, meldet euch bei mir.)

Für Mutige: ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt

Ein ganz anderer Ansatz ist, dass man einfach den Naturalismus oder Realismus außen vor lässt und sich ein spezifisches Farbspektrum überlegt. D.h. man malt beispielsweise seine Charaktere rosa bis rot, die Umwelt grundsätzlich in Blautönen und Gegenstände … was weiß ich, grundsätzlich orange und türkis. 😀 Tada. Das ist kreativ und erlaubt es einem, dass man in eine ausgefeilte Palette investiert und von Anfang an ohne große Mischaufwände alles hat, was man braucht in heller, mittlerer und dunklerer Ausführung um perfekte Übergänge zu schaffen. Ich nenne das mal den „Paper Girls“-Ansatz 😉 Falls ihr die Comicreihe nicht kennt, folgt mir hierher und schaut euch mal die Cover an, das sagt alles. Das Foto zeigt beispielsweise die Copic-Farben, die ich für mein Bullet Journal benutze.

Wie habt ihr angefangen euch eine Copic-Sammlung aufzubauen? Und was habt ihr dabei richtig gemacht – und was nicht? Kennt ihr Paper Girls? 😉 Und könnt ihr meine Ratschläge vertreten oder eher nicht? Den Großteil meiner aktuellen Copic-Sammlung sieht man übrigens hier – und das ist im Grunde mehr als man braucht um klarzukommen.

Hand-Lettering: Vergleich Brush-Pens (Copic ciao, Tombow, Koh-i-noor)

Nachdem es im Blog neulich schon darum ging wie man mit Brush Lettering anfangen kann, drängt es sich fast auf mal verschiedene Brush Pens zu vergleichen. Denn wer sich schon mal umgeschaut hat, wird feststellen, dass man bei so gehypten Hobbys ziemlich schnell ziemlich viel Geld loswerden kann. Wo man kostenlos Arbeitsblätter zum üben bekommen kann, habe ich in meinem Getting-Started-Artikel schon berichtet. Jetzt geht es um die Frage: welche Brush Pens?

Was die Schublade hergibt … und was nicht

Da ich durch das Illustrieren bereits Copic Ciao Marker hatte, war es naheliegend es erstmal mit ihnen zu probieren. Allerdings hatte ich etwas Probleme damit. Die Spitzen erschienen mir anfangs zu dick, zu unflexibel und es fiel mir schwer die feineren Linien damit zu schreiben. Jetzt weiß ich: das ist eine Frage der Übung, aber die Spitzen sind tatsächlich etwas unflexibel. Als ich gerade angefangen habe, schien ich aber nicht viele Fortschritte zu machen und habe mich im Kunstbedarfsladen meines Vertrauens umgeschaut. Man kann ordentlich viel Geld für Brush Pens hinblättern, dem Hype sei Dank. Ich hatte Glück und habe eine Packung mit Brush Pens von Koh-i-noor gefunden, die auch ein Set ist, aber nur unschlagbare 3€ gekostet hat, weil: Ausverkauf. Nachdem ich mit den günstigen Koh-i-Noor-Stiften etwas geübt hatte, wurde ich neugierig auf Tombow Brush Pens, die scheinbar sehr prominent in der Szene sind, und habe auch erstmal nur einen bestellt.

Koh-i-Noor, Copic ciao, Tombow: Vergleich

Die Koh-i-Noor-Stifte waren am Anfang sehr hilfreich. Sie sind sehr flexibel und man kommt gut in das nahtlose Schreiben der Kurven und das Erzeugen von Druck und somit Dynamik rein. Es ist ein bisschen Gewöhnungssache. Normalerweise muss man sich beim Illustrieren und Schreiben nicht so viele Gedanken über den Druck machen und ist es eher gewöhnt mit stetigem Druck zu schreiben. Copic ciao und auch Tombow geben weniger nach und bei den ersten Gehversuchen im Brush Lettering kann das irritierend sein. Während das also mit Koh-i-Noor-Stiften erstmal leichter war, ist es sehr schwierig saubere Übergänge mit ihnen zu bekommen. Die Spitze ist tatsächlich so weich, dass sie einfach mal wegrutscht. Das passiert v.A. viel bei Kurven und Übergängen zwischen dicken und dünnen Linien. Leider sind die Stifte auch nicht farbecht wie man im Vergleich sieht. Das Schwarz ist eher ein durchscheinendes Dunkelblau. Die Spitzen der Tombow Brush Pens sind etwas weniger flexibel und man muss sie ein bisschen „einmalen“ bzw. sich an sie gewöhnen. Nach einigen Übungen werden sie etwas flexibler und man bekommt mit ihnen eher das gewünschte Ergebnis. Sie reagieren gut auf ausgeübten Druck, sind aber nicht so weich, dass sie wegrutschen. Und farbecht. Schwarz sieht auch aus wie Schwarz. Copic ciao Marker haben eine tendenziell etwas zu breite Spitze und man muss ein bisschen mehr Feingefühl investieren, wenn man mit ihnen schreibt. Aber prinzipiell geht auch das mit Übung, wobei man hier darauf achten muss das richtige Papier zu verwenden, da sie auf normal-porigem Papier gefühlt schneller austrocknen und stark durchdrucken. (siehe Bild am Ende des Artikels)

Fazit?

Von der Handhabung her sind Tombow wahrscheinlich zu Recht so viel genutzte Brush Pens. Die Spitze hat genau die richtige Flexibilität für dicke und dünne Linien und die Stifte sind farbecht. Was ich noch nicht ausprobiert habe, aber möglicherweise die insgesamt günstigere Alternative ist: wirklich Pinsel und Farbe zu benutzen. Ich warne Anfänger aber ausdrücklich davor für horrende Summen Brush-Pen-Sets zu kaufen. Meistens findet man dort eine Farbe wie Schwarz die man häufig braucht und viele Farben, die man u.U. kaum braucht wie Hellgrau. Häufig bestehen die Sets auch nicht nur aus klassischen Brush Pens, sondern Stiften mit unterschiedlichen Spitzenbreiten, Fineliner und nur ein bis zwei wirklichen Brush Pens. Das ist sehr ärgerlich, weil man bspw. Fineliner meistens sowieso schon zuhause hat. Dafür dann 20-30€ hinzublättern sollte wohl überlegt sein. Generell würde ich dazu raten nach einem Sonderangebot Ausschau zu halten oder einfach zum ausprobieren erstmal einen Stift zum üben zu kaufen statt gleich einer halben Wagenladung. Copic ciao kosten ungefähr 4-5€. Tombow scheint der Marktführer zu sein und viel genutzt zu werden. Tombow-Stifte liegen auch bei etwa 4-5€ pro Stift. Beide sind aber ziemlich langlebig und werden eher geschmeidiger, als dass sie ihre Form verlieren oder sich abnutzen.

Habt ihr Erfahrungen mit unterschiedlichen Brush Pens oder sogar Pinsel und Farbe gemacht? Was ist eure Weapon of Choice und was könnt ihr zum lettern empfehlen? Meine Fotos habe ich letztes Jahr etwa im November oder Dezember gemacht und muss ein bisschen schmunzeln, wenn ich denke, dass ich inzwischen eigentlich mit allen Brush Pens bessere Ergebnisse hinkriege … aber das ist wohl der Lauf der Dinge. 😉

Techniken: Illustration mit Copic Markern

Kaum zu glauben, aber es ist tatsächlich fast fünfzehn Jahre her, dass ich anfing mit Copic Markern zu illustrieren. Die Copic-Produktlinie der Firma .Too ist längst nicht mehr die einzige Marker-Sorte, die in Deutschland erhältlich ist. Aber Copics sind immer noch meine weapon of choice was das Illustrieren betrifft. Daher möchte ich Copic und allgemein das Illustrieren mit Marken heute hier vorstellen.

Copic ist eine Marker-Produktlinie auf Alkoholbasis. Empfindliche Nasen sollten also mit einem typischen Geruch rechnen. Die Marker haben je nach Sorte zwei fasertstift-artige Spitzen. Typischerweise ist das eine eckige Spitze, mit der sich gut große Fläche ausfüllen lassen und eine runde Spitze. Im Falle der Copic Marker ist die runde Spitze etwas fester und kleiner, im Falle der Copic ciao Marker ist sie größer und weicher und erinnert an einen Pinsel. Durch die chemische Zusammensetzung kann man mit den Markern streifenfrei Farbe auftragen im Gegensatz zu dem was man vom illustrieren mit normalen Faserstiften kennt. Außerdem ermöglichen die Marker das Schichten von Farbe. D.h. dass man durch mehrmaliges Übermalen mit einem Marker ca. vier bis fünf Farbstufen und -intensitäten erreicht, was einem den Kauf unmittelbar leicht dunkler Farbnuancen meistens erspart. Diese Eigenschaft der Stifte macht es auch möglich, dass man verschiedene Farben vermalt und so streifenfreie Farbverläufe erzielt. Bis zu einem bestimmten Grad kann man auch Farben unterschiedlicher Farbfamilien vermalen bzw. mischen, aber nicht uneingeschränkt. Das Ergebnis ist langlebig farbecht und die Farben strahlend.

Aber es ist nicht so, dass es keine Nachteile gibt wie sie nun mal jedes Material mit sich bringt. Normales Zeichenpapier hat eine für das menschliche Auge nicht erkennbare porige Oberfläche, die wortwörtlich mehr Produkt aus den Stiften saugt. Es entsteht der Eindruck, dass die Stifte auf dem Papier schneller austrocknen. Daher gibt es bestimmtes Papier, dass für Copics verwendet werden sollte, das eine besonders glatte Oberfläche hat ähnlich dem Papier für bestimmte Drucker. Auf normalem oder sehr dünnem Papier drucken die Stifte auch sehr stark durch. Benutzt man einen nicht farbechten Fineliner oder ähnliches zum vorzeichnen, tragen die Copics auch gerne mal beim darüber malen die Farbe ab oder verschmieren die Vorzeichnung – da ist ausprobieren erforderlich. Ein anderer Nachteil ist der Preis. Ein klassischer Copic Marker kostet ca. 6€, ein Copic ciao Marker ca. 4€. Kauft man sie nicht beim Hersteller, sondern in Kunstbedarfsläden oder -webshops kann es auch gerne mal mehr kosten, da es ein Importprodukt ist. Wenn man sich ein Sortiment aufbauen will, dann kann es also relativ teuer werden. Andererseits gibt es auch Nachfüllbehälter zum Verlängern der Lebensdauer und eine Menge an Zubehör bei dem man die Stifte mittels Düse dann sogar zum airbrushen verwenden kann.

Inzwischen gibt es auf dem Markt und in Webshops die nach Deutschland liefern eine riesige Palette an Marker-Stiften. Es gibt also nicht nur Copics. Als ich vor langer Zeit angefangen habe Copics zu benutzen, gab es schlicht nichts anderes. Ich wurde überhaupt erst durch die Webseiten von Manga-Künstlern auf Copics aufmerksam. Zwar sah ich, dass sie scheinbar ein ganz anderes Material zum Kolorieren benutzen, aber ich wusste lange nicht was. Später kaufte ich mir ein Einsteiger-Set von ca. acht Markern und damit ließ sich schon viel anfangen, dadurch, dass man sie „schichten“ kann, also mit einer Farbe mehrere Helligkeitsstufen erreichen kann. Im Laufe der Zeit habe ich immer wenn sich die Gelegenheit ergab zwei bis drei neue Farben gekauft und inzwischen ist die Sammlung recht groß und reicht schon längst für alles, was ich illustrieren möchte. Was ich an den Markern, sei es nun Copic oder was anderes, mag ist das Gefühl und die Handhabe. Das Zeichen-Gefühl und -Ergebnis ist wie das vom Malen mit Pinseln aber mit der einfachen und weniger umständlichen Handhabe von Faserstiften. Damals fiel den meisten in meinem Umfeld sofort auf, dass es mit einem anderen Material koloriert wurde und es kamen oft Nachfragen wie „Sind das denn Fasertstifte?“ oder „Womit hast du das denn gemalt?“, weil der Farbauftrag so flächig und streifenfrei aussieht. Aber wie die folgenden Ausschnitte zeigen sollen, sind auch Texturen möglich – die Stifte sind sehr universell einsetzbar:

Koloriert ihr auch mit Markern oder kennt das Prinzip schon? Welche Marker benutzt ihr? Und was ist eurer Meinung nach die beste Alternative zu Copics? Wenn ich damals die heutigen Möglichkeiten und die Auswahl hätte, würde ich es als Einsteiger erst einmal mit günstigeren Markern probieren und dann vergleichen und schauen, ob sich Copics für mich lohnen. Im Laufe der Zeit habe ich diese Sammlung angehäuft, die sich aufgrund der Langlebigkeit der Produkte nicht so schnell erschöpft – und darüber bin ich auch sehr froh. Ich mag das „Copic-Feeling“ und das Ergebnis der Kolorationen sehr gern. Im Blog gibt es bisher nicht sehr viele Beispiele von Illustrationen mit Copic-Markern, höchstens hier und hier. Aber das ändert sich nächste Woche 😉